Nur eine Angabe des Erhaltungsgrades macht eine Münzbeschreibung komplett. Die richtige Einschätzung des Erhaltungsgrades ist nicht leicht, selbst bei fortgeschrittenen Numismatikern ergeben sich oft erhebliche Meinungsverschiedenheiten diesbezüglich.
Doch nicht nur der Erhaltungsgrad ist ausschlaggebend. Eine ebenso wichtige Rolle spielt der Herstellungsgrad. So werden z.b. in etlichen Ländern auch so genannte „Polierte Platten“ geprägt, bei dem die Münzen mit polierten Stempeln und unter der Verwendung von besonders bearbeiteten Münzplättchen produziert werden.
Die einzelnen Herstellungs- und Erhaltungsgrade haben folgende Definitionen:
Polierte Platte (PP): Diese Münzen werden
mit polierte Stempeln aus polierten Münzplättchen geprägt. Das Münzfeld hat
einen tiefglänzenden Ton. Die Reliefpartien sind matt und heben sich vom Grund
stark ab. Die englische Bezeichnung lautet „proof“.
Spiegelglanz (Sp): Dieser Begriff wird
ausschließlich für deutsche Münzen verwendet. Das Aussehen dieser Münzen ist
ähnlich der Ausführung „Polierte Platte“. Im Münzgrund können bei kritischer
Betrachtung winzige Mängel erkennbar sein. Diese Münzen wurden ebenfalls mit
einem poliertem Prägestock geschlagen, aber nicht aus polierten Ronden. Es sind
nur besonders ausgesuchte Normalplättchen. Der Herstellungsgrad „Spiegelglanz“
ist typisch für Münzen, die in Deutschland erzeugt wurden. ACHTUNG: nicht zu
verwechseln mit „Stempelglanz“, siehe weiter unten!
Stempelfrisch (st): Im Gegensatz zu „Polierte Platte“ und zu „Spiegelglanz“
sind hier Feld und Relief von gleichem Ton. Es darf kein Zeichen des Gebrauchs
und keine Beschädigung erkennbar sein. Oft wird für diese Münzen auch die englische
Bezeichnung „brilliant uncirculated (unc)“ oder „about brilliant“ verwendet.
Vorzüglich (vz): Erkennbare Kratzer sollten
hier keine Gebrauchsspuren sein, da sie von Herstellungsprozess stammen. Diese
Erhaltungsstufe entspricht in den meisten Fällen den Bezeichnungen „stempelfrisch“,
„prägefrisch“ oder „bankfrisch“.
Sehr schön (ss): Diese Münzen sind in
den Konturen noch scharf, zeigen aber normale Gebrauchsspuren (kleinere bis
mittlere Kratzer sowie Randfehler). Dieser Erhaltungsgrad ist bei den meisten
Münzen des 19. und 20. Jahrhunderts die unterste noch sammelwürdige Erhaltungsstufe.
Schön (s): Hier sind starke Gebrauchsspuren
und Abnützungen zu erkennen. Manche erhabene Stellen sind durch Umlauf abgegriffen
bzw. abgerieben. Sonst sehr schöne Münzen mit nicht unerheblichen Randfehlern
sind in dieser Stufe einzuordnen. Münzen in dieser Erhaltung sind nur dann sammelnswert,
wenn sie selten sind.
Gering erhalten (ge): Das Gesamtbild ist noch
erkennbar. Eine Münzbestimmung ist wegen nicht erkennbarer Jahreszahl oder Münzzeichen
oft nicht mehr möglich. Münzen dieser Stufe sind nur in seltenen Fällen sammelnswert.
Diese Erhaltungsangaben findet man auch in Zwischenstufen
vor, also z.B. ss-vz oder ss+ oder vz-.
In der Numismatik kursieren auch noch andere Erhaltungsbezeichnungen:
unzirkuliert, prägefrisch und bankfrisch. Diese Erhaltungen
entsprechen in manchen Fällen dem Grad „stempelfrisch“, meistens aber handelt
es sich dabei um bankfrische Münzen, die geringe, winzige Kratzer aus der Herstellung,
dem Transport oder der Lagerung aufweisen.
Eine österreichische Besonderheit sind „handgehobene“
(„hgh“) Münzen: diese werden in einer besonders behutsamen Weise geprägt und
weiterverarbeitet. Handgehobene Münzen weisen keine Kratzer auf und werden direkt
nach der Prägung in Kapseln oder Blistern untergebracht.
Da das Münzensammeln und die Numismatik internationale Wissenschaften sind, unterscheiden sich auch die jeweiligen Erhaltungsgrade in der Bezeichnung. Auch im deutschsprachigen Raum werden zunehmend die englischen Bezeichnungen für die Erhaltungsgrade verwendet. Hier die wichtigsten internationalen Bezeichnungen:
| Deutsch | Englisch | Französisch |
| polierte Platte | proof | belle epreuve |
| stempelfrisch |
brilliant uncirculated/ about brilliant |
brilliant universel |
| bankfrisch | uncirculated | superbe |